Zur Hauptnavigation springenZum Hauptinhalt springen

Tiere sind unsere Mitgeschöpfe

ÖDP fordert Verbesserungen im Tierschutz

Kreisvorsitzender Klaus Loderer (links) bedankt sich bei Referent Ludwig Maier für den interessanten Vortrag

Zum Vortrag „Tierschutz geht uns alle an!“ begrüßte der Kreisvorsitzende der Ökologisch-Demokratischen Partei (ÖDP) Eichstätt, Klaus Loderer, viele Zuhörer. Welchen Wert Tiere für den Menschen hätten, spiegle seine Haltung zur Schöpfung und den Menschen wieder, so Loderer. Wer Tiere als Mitgeschöpfe betrachte, für den sei artgerechte Haltung und ein respektvoller Umgang mit Tieren eine Selbstverständlichkeit.
Der Referent Ludwig Maier, Nebenerwerbsbiolandwirt und Landtagslistenkandidat der ÖDP aus Rosenheim, begann seinen Vortrag mit dem „Vater Unser“: „Es heißt nicht: `Unser täglich Fleisch gib’ uns heute!“, so Maier. Die ÖDP fordere schon seit mehr als 20 Jahren ein Verbot quälerischer Tierversuche. Studien hätten belegt, dass sich Ergebnisse aus Tierversuchen nicht auf den Menschen übertragen ließen. 99% der Forschung sei auch ohne sie möglich. In-Vitro-Systeme reagierten schneller, seien billiger und lieferten zuverlässigere Resultate.
Maier sprach sich vehement gegen die flächenunabhängige Massentierhaltung in Agrarfabriken aus. Allein in den letzten drei Jahren sei die Zahl der Mastplätze für Schweine und Geflügel um 60% gestiegen. Dabei handelt es sich hauptsächlich um Großanlagen von Finanzinvestoren. „Stellen Sie sich vor, Sie essen Tiere, die durch Qualzucht ihr Leben in Schmerzen verbracht haben und Ängste durch Transport und Schlachtung dann in ihrem Fleisch gespeichert haben. Was macht das mit Ihnen?“ Weil Fleisch dadurch zu billig sei, würde zuviel konsumiert, was der Gesundheit schade. Das Klima werde durch schädliche Gase, der Boden durch Gülle und Gifte belastet. Urwälder würden vernichtet und unsere Tiere fressen den Menschen in der dritten Welt die Nahrung weg. In der Massentierhaltung würden ganze Tierbestände prophylaktisch regelmäßig mit Antibiotika behandelt, was bei artgerechter Haltung nicht notwendig sei. Die ÖDP trete für eine zukunftsfähige und nachhaltige Nutztierhaltung auf bäuerlichen Betrieben ein. Die regionale Futtermittelerzeugung muss gestärkt und heimische Futtermittel müssen ohne Gentechnik produziert werden. Außerdem sollte die Tierhaltungsform auf allen Lebensmitteln gut sichtbar gemacht werden. Da ein Großteil des Fleisches exportiert wird, seien Exporterstattungen abzuschaffen.
„Tiere sind unsere Mitgeschöpfe und keine seelenlose Sachen!“, erklärte Maier. Die ÖDP fordert daher Tierquälerei und Tierdiebstahl als Straftatbestände neu zu fassen und härter zu bestrafen. Sie fordert wirksame Förderprogramme zum Artenschutz und zur nachhaltigen Fischerei. Auch sei ein Einfuhr- und Handelsverbot für Pelztiere und Reptilleder erforderlich.
Schlachtvieh soll nur bis zum nächstgelegenen Schlachthof transportiert werden und dort vor der Schlachtung vier Stunden Ruhepause im eingestreuten, luftigen Stall bekommen: So werde der Akkordschlachtung ein Riegel vorgeschoben. Schlachten ohne Betäubung gehört ebenso verboten wie tierquälerische Jagdmethoden. Außerdem forderte Maier mehr Geld für Tierheime, Tierschutzbeauftragte in Kommunen und Ländern, sowie ein Verbandsklagerecht für anerkannte Tierschutzvereine. Schließlich könnten Tiere ja nicht für sich selbst sprechen.
Schließlich rief der Referent alle Anwesenden auf, sich selbst für den Tierschutz einzusetzen: So soll man Eier und Fleisch aus industrieller Massentierhaltung meiden, tierversuchsfreie Kosmetika benutzen, keine echten Pelze kaufen und eigene Haustiere artgerecht halten. Zudem seien Einsprüche gegen Intensiv-Tierhaltungs-Einrichtungen wichtig, sowie Strafanzeigen oder Ordnungswidrigkeitsanzeigen. „Verbraucherinnen und Verbraucher haben weitaus mehr Macht, zu Gunsten des Tierschutzes Veränderungen herbei zu führen!“, endete Maier seinen Vortrag.
Willi Reinbold, ÖDP Landtagsdirektkandidat aus Eichstätt, führte durch die anschließende Diskussion. Er wies darauf hin, dass die Politik, wie auch der Bauernverband, stark von Lobbyisten beeinflusst werde. Die ÖDP hingegen kann ihren Werten treu bleiben, da sie keine Firmenspenden annimmt und so unabhängig ist. Dass ein großer Tierbestand artgerechte Haltung oft erst ermögliche, erläuterte ein anwesender Landwirt. Der Begriff „Massentierhaltung“ sei schwer zu definieren und werde oft unreflektiert gebraucht. Wichtig ist nicht die Anzahl der Tiere, sondern deren artgerechte Haltung und abhängig von der verfügbaren Fläche zur Futtermittelerzeugung und Gülleverwertung.

Erschienen am 18.04.2013 im Eichstätter Kurier, Lokalteil ohne Foto, leicht gekürzt .

Zurück