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Leserbrief Familienpolitik

Leserbrief zum Leserbrief vom 27.06."Familienministerin auf dem Holzweg" im Donaukurier

Als Mutter einer knapp 2 Jahre alten Tochter mache ich mir Gedanken zum Thema Familienpolitik. Dem Ausgangspunkt des Leserbriefs von Herrn Specht kann ich mich anschließen: Viele Familien sind auf ein zweites Einkommen angewiesen, die Zahl der Geringverdiener und Alleinerziehenden hat zugenommen. Aber seiner Schlussfolgerung, dass kostenlose Kita- und Kindergartenplätze und Ganztagsschulen die ideale Lösung sind, möchte ich ganz deutlich widersprechen.
Wenn der Vorschlag von Herrn Specht umgesetzt wird, was auch bestimmte Politiker fordern, bedeutet das eine massive Benachteiligung aller Eltern, die ihre Kinder selbst betreuen wollen, insbesondere in den ersten Lebensjahren. Denn wenn Kitas kostenlos sind und mir das Geld fehlt, habe ich keine Wahl! Ich muss das Kind weggeben und arbeiten gehen! Der Druck, Kinder schon möglichst früh und lange staatlich betreuen zu lassen, steigt immens. In Ländern wie Norwegen wird man heute schon als Rabenmutter betrachtet, wenn das 1jährige Kind NICHT in die Krippe geht.
Für die Wirtschaft mag es erstrebenswert sein, dass Kinder möglichst in jedem Alter rund um die Uhr staatlich betreut werden und beide Eltern im Erwerbsleben stehen. Aber tut das unseren Kindern wirklich gut? Die Forsa-Studie „Wenn Eltern die Wahl haben“ zeigt, dass sich immerhin 42 Prozent der Eltern eine Job-Pause von drei Jahren oder mehr nach der Geburt wünschen. Zudem sind 74 Prozent der Ansicht, der Staat sollte dafür sorgen, dass Familien das Betreuungsmodell für ihre Kinder wählen können, das am besten zu ihren Bedürfnissen passt.
Ich fordere, dass Eltern mit Kleinkindern für ihre „Erziehungsarbeit“ ein richtiges sozialversicherungspflichtiges Gehalt erhalten, wie jeder andere Arbeitnehmer auch. Dann MÜSSEN nicht beide Eltern arbeiten, Alleinerziehende landen nicht in Hartz IV und Kinderarmut wird entgegengesteuert. Laut einer Studie des Ifo-Institutes bringt jedes Kind der Gesellschaft einen ökonomischen Gewinn von rund 80.000 €, den die Eltern erwirtschaften! Denn Familien zahlen über indirekte Steuern und Sozialbeiträge mindestens doppelt so viel Geld an die Gesellschaft wie sie vom Staat erhalten!
Der Staat subventioniert jeden Krippenplatz mit monatlich  € 1 000 aus Steuergeldern, die auch Eltern zahlen müssen, die ihre Kinder daheim betreuen. Das ist zutiefst ungerecht! Zahlt man dieses Geld allen Eltern in Form eines Erziehungsgehalts aus, können sie selbst entscheiden, wer wie lange ihr Kind betreut – sie selbst, stundenweise die Tagesmutter oder die Kinderkrippe. Qualität und Flexibilität der außerfamiliären Betreuung werden sich verbessern und an die Bedürfnisse von Kindern und Eltern anpassen. Diesem familienpolitischen Modell der Ökologisch-Demokratischen Partei (ÖDP) steht oft der Vorbehalt gegenüber: „Was ist mit den Eltern, die dieses Geld bekommen, sich aber nicht um ihre Kinder kümmern?“ In jeder Branche gibt es schwarze Schafe und Missbrauch, aber deshalb kann man nicht allen das Gehalt streichen. Die Wertschätzung ihrer Arbeit und die finanzielle Anerkennung wird ferner dazu führen, dass Mütter und Väter ihre Erziehungsarbeit noch ernster nehmen und sie besser machen! Auch Elternkurse als „berufliche Fortbildung“ wären denkbar. Es ist endlich Zeit, dass die Arbeit, die Frauen für die Gesellschaft leisten, als gleichwertig zur Erwerbstätigkeit anerkannt und auch in der Rente entsprechend honoriert wird! 


Leserbrief von Elisabeth Loderer, Biesenhard

Erschienen am 15.07.2013 im Donaukurier sowie am 17.07.2013 im Eichstätter Kurier.

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