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Entscheiden nach dem Gemeinwohl: Bericht vom Vortrag von Jakob Sedlmeier vom 10.02.2020

Zu einem Vortrag zum Thema Gemeinwohlökonomie hatte der Kreisverband der Ökologisch-Demokratischen Partei ins Wirtshaus zum Gutmann eingeladen. Die Veranstaltung stieß dabei nicht nur bei Parteimitgliedern auf Interesse. Es referierte Jakob Sedlmeier, Diplom-Ingenieur Fahrzeugtechnik und ÖDP Kreistagskandidat aus Kösching.

Die Eichstätter Oberbürgermeisterkandidatin Maria Lechner begrüßte die Gäste: „Wir wollen ein zukunftsfähiges Wirtschaftsmodell, das Mensch und Natur in den Mittelpunkt stellt. Genau dafür steht die „Gemeinwohlökonomie“. Wir fordern: Umdenken und Handeln -jetzt!“, so Lechner.

Im Anschluss erklärte der Referent Jakob Sedlmeier zunächst die Grundzüge der freien Marktwirtschaft: Hier regele die Nachfrage Angebot und Preis. Profitstreben und Konkurrenz stärkten dabei Egoismus, Gier, Rücksichtslosigkeit- und Verantwortungslosigkeit.

In der bayerischen Verfassung im Artikel 151 stehe hingegen: „Die gesamte wirtschaftliche Tätigkeit dient dem Gemeinwohl!“ Das gleiche Ziel fände sich in zahlreichen anderen Verfassungen wie z.B. in Kolumbien oder sogar der USA. Diesen Verfassungsgrundsatz umzusetzen - setze sich die Gemeinwohlökonomie (GWÖ) zum Ziel. Eine souveräne Demokratie müsse freien Unternehmen ethische Vorgaben machen und dies auch kontrollieren können. „Die Gemeinwohl-Ökonomie ist der Aufbruch zu einer ethischen Marktwirtschaft, deren Ziel nicht die Vermehrung von Geldkapital ist, sondern das gute Leben für alle!“, verkündete Sedlmeier. Sie setze die Menschenwürde, die Menschenrechte und die ökologische Verantwortung als Gemeinwohlwerte auch in der Wirtschaft um. Die GWÖ gehe vom bestehenden Wirtschaftssystem aus. Sie versuche dieses so zu verändern, dass ein nachhaltiges Wirtschaften möglich werde. Es entspreche damit tendenziell einer Form der Marktwirtschaft, in der Gewinnstreben und Konkurrenz auf Gemeinwohlstreben und Kooperation umgepolt werden. Damit baue die GWÖ auf jenen Werten auf, die auch unsere zwischenmenschlichen Beziehungen gelingen lassen: Vertrauensbildung, Verantwortung, Mitgefühl, gegenseitige Hilfe und Kooperation. Das Marktstreben werde ethisch neu ausgerichtet.

Das Herzstück der GWÖ sei die Gemeinwohl-Bilanz von Christian Felber. Mittels eines Punktesystems beurteilen Unternehmen, Gemeinden und Institutionen inwieweit sie die Werte Menschenwürde, Solidarität und soziale Gerechtigkeit, ökologische Nachhaltigkeit, Transparenz und demokratische Mitentscheidung in ihrem Handeln berücksichtigen. So werde ihr Beitrag zum Gemeinwohl objektiv sichtbar. Sedlmeier erläuterte mit zahlreichen Beispielen, welche Fragen sich Unternehmen im Sinne des Gemeinwohls stellen könnten. Dabei machte er einen Exkurs zum Zwergstaat Bhutan: Hier fände sich das größte Beispiel einer Gemeinwohl-Bilanz. Staatsziel sei das „Bruttoinlandsglück“. In Bhutan würden bereits heute tausende Bürger nach ihrer Zufriedenheit, ihrem Glück und ihrer Gesundheit befragt, Umweltschutz und Nachhaltigkeit seien weitere Säulen dieses Staatsziels. Um ethisches Verhalten zu fördern, müsse die Höhe der Punktzahl in der Gemeinwohlbilanz belohnt werden: Vorteile bei Steuern, günstige Kredite und Vorrang beim Einkauf beispielsweise. Die Gemeinwohlbilanz könne auch anhand von fünf Farbstufen auf Produkten für Käufer transparent gemacht werden. Das Ziel sei ökologische, regionale und ethische Produkte günstiger und attraktiver zu machen. Die normale Wirtschaftsbilanz bleibe dabei bestehen, so Sedlmeier.

Die Gemeinwohlökonomie sei von dem Österreicher Christian Felber und einigen Unternehmen 2010 ins Leben gerufen worden. Sie habe sich in 30 Staaten ausgebreitet. Tausende Unterstützer in über 250 Regionalgruppen und mehr als 2200 Unternehmen unterstützten die GWÖ bereits heute. Maria Lechner ergänzte den Vortrag: Die Gemeinwohlökonomie könne auch auf kommunaler Ebene umgesetzt werden. Erstes Beispiel dafür sei die oberbayerische Gemeinde Kirchanschöring im Landkreis Traunstein.

Es folgte eine anregende Diskussion. Kreisvorsitzender und Kreistagskandidat Klaus Loderer erklärte: „Durch die Gemeinwohlökonomie verlieren große ausländische Konzerne, die mit Billigprodukten den Markt erobern wollen, an Macht! Die GWÖ fördert regionale Produkte, kleinere und mittlerer Betriebe. Freihandelsabkommen, wie sie die Regierungsparteien unterstützen, zerstören diese hingegen.“


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